Janna

Inspirierende Geschichten aus unserer Community

ShaktiStory: Janna erzählt ihre Geschichte

Herbst 2011

Mein Körper hatte sich schon etwas länger seltsam angefühlt. Ich war 21, eigentlich fit und aktiv, aber seit geraumer Zeit hatte ich so leise, diffuse Veränderungen verspürt: eine unerklärliche Müdigkeit hier, ein komischer Schmerz da, Erkältungssymptome, die nicht mehr so ganz verschwinden wollten. Die Empfindungen ließen sich nicht richtig greifen und deshalb hatte ich sie bislang achselzuckend mit einem “Seltsam, aber das geht schon wieder weg” ignoriert. 

Aber jetzt, im November 2011, waren die Symptome unüberhörbar lauter geworden und ich musste handeln. Ich ging zum Hausarzt, der das Pfeiffersche Drüsenfieber im Verdacht hatte und tatsächlich: Der Labortest bestätigte die Vermutung. Er empfahl mir Ruhe, dann würde das folgenlos ausheilen. Schließlich ist das Pfeiffersche Drüsenfieber eine recht häufige Viruserkrankung, die die meisten Menschen durchmachen, sogar oftmals, ohne es zu wissen. 

Das Thema war damit für mich durch und ich widmete mich wieder meinem beschäftigten, vollen Leben. Auch als die Symptome gar nicht weggingen und sogar schubweise neue wie eine größere Infektanfälligkeit und starke Kopf- und Nackenschmerzen auftraten, ignorierte ich alles wieder und weiter - über die nächsten Jahre hinweg. 

Herbst 2016

Ich war jetzt 26 und mit meiner Vogel-Strauß-Methode mehr schlecht als recht, insgesamt jedoch erfolgreich gefahren. Doch nun tauchten wieder neue Symptome auf: Verdauungsstörungen und ein deutlicher Gewichtsverlust. Dann nahm alles irgendwie an Fahrt auf und kulminierte schließlich, fünf, sechs Jahre nach Einsetzen der ersten Anzeichen, in einem katastrophalen Symptomfeuerwerk, gefolgt von einer totalen, tiefen Erschöpfung. Ich kollabierte. Wach wurde ich im Krankenhaus und mit einer tauben linken Körperseite und dem kompletten Verlust des Gleichgewichtssinns. Starke Übelkeit, Schwindel und unerträgliche Nackenschmerzen setzten mir zu. Es war, als ob mein Körper Krieg führte gegen einen unbekannten Feind. Oder gegen sich selbst. 

Im Krankenhaus wurde ich auf den Kopf gestellt: Es wurden ein CT gemacht (Verdacht auf Schlaganfall) sowie diverse neurologische und serologische Tests - gefunden wurde nichts. 

Aber dieser Kollaps war ein Wendepunkt für mich. Mir dämmerte, dass ich all die Jahre ein verheerendes Geschehen in meinem Körper missachtet hatte. Jetzt musste und wollte ich der Realität ins Auge blicken und herausfinden, was mit mir los war. 

Alle möglichen Untersuchungen wurden gemacht, MRT, immer wieder Labor, EEG, EKG, neurologische Untersuchungen, you name it, Spezialist:innen aller möglichen Fachrichtungen schauten sich mich an. Doch niemand hatte eine Erklärung für das, was da in meinem Körper passierte. Immer öfter wurde ich mit einem unbeteiligten “Da ist nichts, vielleicht ist es psychosomatisch, haben Sie schon mal über eine Therapie nachgedacht” abgefertigt und gipfelte in einem „Stellen Sie sich nicht so an“. 

Es war niederschmetternd. Nicht nur, dass mir niemand helfen konnte - meine Beschwerden wurden nicht ernstgenommen. Ich war wie gefangen in diesem Zustand, der sich zunehmend verschlechterte, und ich fing an, an mir selbst, an meiner Wahrnehmung zu zweifeln. Ich würde sogar sagen, von allem, was ich aushalten musste, war dieser Vertrauensverlust in mich selbst und in meine Wahrnehmung mit das Bitterste. 

ShaktiStory: Janna - Fotos von Janna mit ihrer Freundin Carina, im Krankenhaus und mit Infusion

Erst 10 Jahre später trifft Janna auf die Menschen, welche ihr tatsächlich mit ihren Beschweren helfen können und anders reagieren als mit einem „Stellen Sie sich nicht so an“. Das Schwarzweißfoto zeigt sie mit ihrer Freundin Carina. 

Frühling 2018

Aber es nützte nichts, mein Leben wurde zwar wegen der Myriade an Beschwerden immer eingeschränkter, aber ging weiter - und ich “fleißig” arbeiten. Anfang 2018 startete bei uns eine neue Kollegin: Carina, eine feinfühlige und tiefgründige Frau mit großer Lebenserfahrung, zu der ich direkt Vertrauen fasste und der ich hin und wieder von meiner Krankheitsgeschichte erzählte. Eines Tages beobachtete sie mich, wie ich mal wieder mit Nackenkreisen versuchte, diese fürchterlichen Nackenschmerzen zu lindern. Ich werde nie die durchdringende Unaufgeregtheit vergessen, mit der sie sagte: “Ich glaube, du hast das Epstein-Barr-Virus. Und ich kenne einen Arzt, der dir vielleicht helfen kann.” 

Ich war verunsichert, weil ich nicht wusste, ob ich mir noch so einen kräftezehrenden und bestimmt nichts bringenden Arztbesuch antun sollte und gleichzeitig aufgeregt, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, dass es diesmal vielleicht doch anders ist. 

Vier Wochen später saß ich dem Internisten gegenüber - ein ruhiger, Kompetenz ausstrahlender Mann und der erste Arzt seit Jahren (!), der mich und all meine Symptome ernst nahm und sie nicht als psycho-somatische Erscheinungen abtat. Drei Stunden hatte die komplette Diagnostik gedauert und nun eröffnete er mir: “Der Verdacht auf Epstein-Barr- Virus stimmt. Die Befunde legen nahe, dass Sie es seit mindestens 10 Jahren haben.” 

Epstein-Barr-Virus. Seit zehn Jahren chronisch. Ich fühlte mich, tja, erleichtert, endlich zu wissen, was mit mir los ist und das etwas mit mir los ist. Dass ich mir die Symptome eben nicht eingebildet hatte. Aber ich fühlte auch eine überwältigende Traurigkeit, dass mich niemand ernst genommen hatte und vor allem: dass ich mich nicht ernst genommen hatte. Und dann fühlte ich mich schlicht überfordert, weil ich nicht wusste, was das alles bedeutete und wie es weitergehen sollte. 

Epstein-Barr-Virus also. Bekannt ist es in seiner Manifestation als Pfeiffersches Drüsenfieber, und eigentlich, bei den meisten Betroffenen, klingt es in der Tat folgenlos wieder ab. Bei mir aber nicht, bei mir hatte es über zehn Jahre lang heftige Schäden in meinem Körper angerichtet. In der Schulmedizin ist die Viruserkrankung in ihrer chronischen Form noch nicht angekommen, was bedeutet, dass es kaum Ärzte gibt, die sie diagnostizieren können, und auch noch keine Behandlungsleitlinien. Und weil es so wenig erforscht ist, ist auch noch nicht ganz klar, ob eine Heilung möglich ist oder ob nur eine Symptombehandlung das Ziel sein kann. 

Der Arzt stellte mir einen Therapieplan zusammen, der es in sich hatte: zum einen fünfzig (!) wöchentliche beziehungsweise zweiwöchentliche Infusionen mit Vitaminen, Spurenelementen und Präparaten aus der Homöopathie, zum anderen Tabletten aus der Mikroimmuntherapie, dazu mehrere Darmsanierungen und eine Ernährungsumstellung. Vor allem die Infusionen waren kein Spaziergang: Ein Jahr lang schaffte ich es noch weiterzuarbeiten, aber dann musste ich meine Stundenzahl reduzieren. Schließlich nahmen mich die Schmerzen und die Erschöpfung jedoch komplett ein und ich musste mich krankschreiben lassen. Zweifel kamen auf an der Wirksamkeit der Therapie. 

Es folgten drei harte Monate, in denen alles zu einem Brei wurde: die Zeit, mein Geist, mein Körper. Die Schmerzen hatten ihn nun vollständig eingenommen, hinzu gesellten sich Schwindel, Seh-, Hör-, Verständnis- und Sprachstörungen sowie eine allumfassende Erschöpfung. Besonders belastend war die dumpfe Verzweiflung darüber, dass trotz Diagnose und Therapien offenbar keine Besserung möglich war. Wenn mir dies jetzt nicht hilft - was denn dann? Was soll denn noch kommen? Wie viel muss ich noch aushalten? Ich war 29 und an meinem Tiefpunkt angekommen. 

In diesem elenden Zustand begann ich zu malen. Das tat mir gut. Ich tauchte ein in die Welt der Entspannungstechniken und entdeckte die ShaktiMat für mich. Eine große Stütze war in dieser Zeit auch mein Freund, der nicht in die Knie gegangen war unter der Last meiner Erkrankung. Im Gegenteil, wir wurden immer nur noch stärker. 

Und ich fand meinen Kampfgeist wieder, der immer häufiger und lauter sagte: “Nein, ich akzeptiere diesen Zustand so nicht!” Der wiederum führte dann dazu, dass ich meine Selbstbestimmung entdeckte - eine der besten Errungenschaften auf meiner langen Reise! Ich beschloss, mich nicht nur auf einen Arzt und ein Behandlungskonzept auszuruhen, sondern traute mir zu, eigenmächtig weitere Wege auszuprobieren und ein neues Vertrauen in mich und in das, was mir guttut, zu entwickeln. 

„Nein, ich akzeptiere diesen Zustand so nicht!"

– Janna

Und so band ich mir über die Zeit einen bunten Blumenstrauß an Maßnahmen, die halfen, meine chronischen Symptome in Schach zu halten oder zu verringern. Ich entdeckte die ayurvedische Medizin für mich, die meinen Körper entgiftet und meine Selbstheilungskräfte unterstützt; ich machte mich mit verschiedenen Naturheilverfahren vertraut und suchte und fand gute Physiotherapeut*innen und Osteopath*innen; ich verstand, wie wichtig Kreativität für mich ist, die ich beim Malen ausdrücken kann, und ich fand heraus, wie gut mir die ShaktiMat bei meinen Schmerzen tut. 

Nach über einem Jahr dieser Maßnahmen hatte ich mich wieder soweit aufgepäppelt, dass ich meine Arbeit langsam wieder aufnehmen konnte. 

ShaktiStory: Janna - Fotos ihrer Kunst und mit ihrem Mann bei der Hochzeit

Die Fotos stammen aus Janna's privater Sammlung. Zu sehen sind Teile ihrer Kunst, ein Hochzeitsfoto mit ihrem Mann (c Lara Köhler) und sie selbst.

Herbst 2021

Das ist nun sechs Monate her und mein Zustand verbessert sich langsam aber stetig. Die Therapien haben sich erst in der Langstrecke als wirksam erwiesen. Im Februar dieses Jahres hat eine Laborkontrolle ergeben, dass sich mein Zustand nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv auf dem Papier verbessert hat - zum allerersten Mal seit Beginn der Behandlung vor drei Jahren. 

Aber vor allem - und dafür bin ich so sehr dankbar - habe ich über die letzten Jahre der Schmerzen und Verzweiflung eine neue Beziehung zu meinem Körper entwickelt. Ich versuche, ihn immer mehr als Kompass zu “nutzen”, der mir den Weg weist, wenn ich mich übernehme. Und ganz automatisch, eben weil ich nicht unbegrenzt Kraft habe, hat sich in mir nun, mit 31 Jahren, eine Frage formuliert, die in allen Lebenslagen maßgeblich geworden ist: Was ist das Wesentliche? Was muss wirklich gesagt oder getan werden? 

Heiraten, zum Beispiel. Im August 2020 haben mein Freund und ich geschworen, in guten und in schlechten Zeiten, in Gesundheit und in Krankheit (weiterhin) füreinander da zu sein. 

Es war ein wunderschöner Tag - trotz Schmerzen - und ein Höhepunkt nach all den Talfahrten der letzten Jahre. 

Wesentlich sind für mich aber auch die wunderbaren Menschen, die ich um mich herum scharen durfte - sowohl im Privaten als auch auf der medizinischen Seite. Dazu gehört ganz klar Carina, die mir neben dem ersten entscheidenden - wesentlichen! - Impuls noch viele weitere gegeben hat. Ich bin sehr dankbar für ihre Freundschaft und für alle lieben Menschen, die mir schon so lange eine Stütze sind. 

Das Epstein-Barr-Virus ist Teil meines Lebens und wird es wahrscheinlich immer bleiben. Viele weitere Therapien warten noch auf mich. Aber wenn jemand anbieten würde, mir morgen das Virus und all die damit verbundenen Erfahrungen und Schmerzen zu nehmen, würde ich das gar nicht wollen. Ich habe es angenommen und lerne zu schätzen, was es mich lehrt. Denn dank ihm habe ich als Mensch an Tiefe hinzugewonnen und finde immer mehr zu mir selbst. 

Zu ihrer Motivation, ihre Geschichte mit uns zu teilen, sagt Janna:

„Es ist keine klassische Erfolgsgeschichte, eben weil ich noch auf dem Weg bin. Ein Foto vom Gipfel zu zeigen und zu erzählen, wie es oben ist, wäre leicht. Über den mühsamen Aufstieg zu sprechen, zu zeigen, dass man hinfällt und wieder aufsteht und manchmal nicht weiter weiß, ist mutig. Und ich möchte mutig sein.“

Janna liebt ihre ShaktiMat Akupressurmatte für Einsteiger - Gelb. Sie ist ein fester Bestandteil ihrer täglichen Entspannungsroutine und hilft ihr dabei trotz der Schmerzen zu entspannen. 

Wir finden Janna sehr mutig und sind dankbar, dass sie ihre eindrückliche ShaktiStory mit uns geteilt hat. Wir wünschen ihr alles Gute und viel Gesundheit für ihre weitere Reise. 

Erzähl uns deine Geschichte!

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Wir freuen uns auf deine Geschichte!

Foto der Autorin Bettina WagenerLogo Shakti Stories

Über die Autorin

Bettina Wagener lebt als Autorin und Redakteurin in Köln. Die „ShaktiStories" und die Menschen darin sind ihr ein Herzensprojekt, das sie mit Neugier, Takt und Erzähl-Freude für uns realisiert.