Spitzen Entspannung seit 14 Jahren - Ein Interview mit den Gründer:innen von ShaktiMat

Die Produktionsmitarbeiterin der Gratitude Factory in Varanasi macht sich fertig, um ihren Arbeitstag zu beginnen.

Ein Geburtstag ist nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch ein Tag zum Innehalten und Genießen. Ein guter Zeitpunkt also, um einen Blick auf den zurückliegenden Weg und die Ursprünge von ShaktiMat zu werfen. Denn in diesem Jahr feiert unsere Marke bereits ihren 14. Geburtstag.

Wie kommt also dieses Mutter-Sohn-Team aus Schweden auf die Idee einer ausgeglicheneren Menschheit durch die Kraft der Akupressur? Das klingt, als könnte eine gute Geschichte dahinter stecken. Darum haben wir direkt mit Nadine (in Schweden) und Om (in Indien) gesprochen, um mehr über die Geschichte von ShaktiMat zu erfahren. 

Hey Nadine, wie wir gehört haben, warst du schon immer eine Unternehmerin, auch vor der Zeit mit ShaktiMat?

Nadine: Ja, ich habe immer viele Dinge ausprobiert. Wir hatten 20 Jahre lang eine Bienenfarm. Neben der Honigproduktion habe ich verschiedene Cremes aus den Bienenwachs für Menschen und Tiere hergestellt und verkauft. Diese Firma habe ich neben Shakti lange nebenher geführt. Es ist keine große Sache mit etwas zu beginnen, an das du wirklich glaubst. Was zählt, ist das richtige Gefühl und dass man für die Sache brennt. 

Nach dem Liegen auf der Matte ist Dennys Rücken stark durchblutet und sieht deswegen rot aus. I Foto: Denny Kircheis

Om, kannst du uns mehr über die Anfänge von ShaktiMat erzählen?

Om: Ich war auf der Zirkusschule in Moskau. Das war anstrengend für meinen Körper und ich bekam Probleme mit meinem Rücken. Dadurch kam ich in Kontakt mit Massagetherapie, ging an die Schwedische Massage Schule in Stockholm und wurde selbst Therapeut. 

Mit 21 Jahren, nachdem ich viel durch Indien gereist war, ging ich ins Himalaya, um als Mönch zu studieren. Da habe ich meine Leidenschaft für Ayurvedische Heilkunst entdeckt und war fasziniert von dem traditionellen Nagelbett. Schon damals wusste ich, dass diese Arbeit mit den Akupressurmatten etwas war, was ich unbedingt machen wollte.

Ich wollte mich auf die Wiederentdeckung dieser Heilmethode einlassen und entwickelte dadurch die ShaktiMat. Dazu nutzte ich ein uraltes indisches Wissen names Jyotish-Shastra, der vedischen Astrologie. Durch meine Forschungen lernte ich alles über die genauen Maße der Matte, wie viele Nadeln auf einer Matte sein sollten und auf wie viele Scheiben die Nadeln zu verteilen sind.

Ich habe viele Jahre im Himalaya verbracht, um Mystik, Yoga und Meditation zu praktizieren, und ich lebe auch heute noch hier. Diese Erfahrungen halfen mir zu erkennen, dass nichts vollständig ist, bis all unsere Mitmenschen das Leben als tiefes Glück empfinden können. Um dieser Erkenntnis zu dienen, widmete ich mich der Erschaffung des modernen Nagelbettes unter Verwendung des alten indischen Wissens und der vedischen Wissenschaft, die vor 5-7000 Jahren niedergeschrieben wurde. Das Ergebnis dieser Arbeit war die ShaktiMat. 

Nach dem Liegen auf der Matte ist Dennys Rücken stark durchblutet und sieht deswegen rot aus. I Foto: Denny Kircheis

Bereits mit 21 Jahren ging Om nach seiner Ausbildung zum Massagetherapeut ins Himalaya, um als Mönch zu leben.

Wenn du mehr darüber lesen möchtest, wie du mit Akupressur Rückenschmerzen natürlich behandeln kannst, haben wir auch einen Artikel für dich.

Wie habt ihr mit allem angefangen?

Nadine: 2007 hatte Om unseren ersten Partner in Indien gefunden und ich gab ihm den finanziellen Starthilfe für die Produktion der ersten Matten. Wir haben in dieser ersten Phase 500 Matten hergestellt.  

Hier in Schweden leben wir auf dem Land, wo alle unsere Post und Pakete in einen kleinen Dorfladen ankamen. Ich erinnere mich, als plötzlich eine riesige Anzahl dieser großen indischen Pakete ankam, alle in weißen Stoff eingenäht. Es war wie in einer Art Film und alle Nachbar:innen wussten, dass etwas Ungewöhnliches vor sich ging, als diese 40 riesigen Pakete ankamen. Ich musste sie in meinem Auto nach Hause bringen, jeweils zwei auf einmal. 

Product Launch auf der Gesundheitsmesse in Stockholm

Soweit ich weiß, war 2007 das erste Mal, dass die ShaktiMat auf einer Messe vorgestellt wurde. Wie haben die Leute reagiert?

Nadine: Ja, wir haben die ShaktiMat zum ersten Mal am 31. März 2007 auf der “Harmony Expo" - einer Gesundheitsmesse in Stockholm - öffentlich vorgestellt.
Ich verkaufte bereits überall meine Cremes, also habe ich einfach beides an einem Stand auf der Gesundheitsmesse kombiniert.

Natürlich muss man viel reden, um ein Produkt zu bewerben. Außerdem hatten wir einen kleinen Bereich am Stand, wo die Leute die ShaktiMat testen konnten. Das führte dazu, dass immer wieder Leute auf den Matten an unserem Stand lagen und viele andere neugierig wurden. Ich selbst war Feuer und Flamme für das Produkt und erzählte jedem, wie fantastisch es war. Auf dieser ersten Expo haben wir viele Leute neugierig gemacht, viele Matten verkauft und auch einige unserer ersten Einzelhändler:innen gefunden.

Während des Sommers bekamen wir Hilfe von Om's Bruder Petter - er ging auf viele Märkte und Yoga-Veranstaltungen, um die ShaktiMat zu bewerben. Auch ich war auf verschiedenen Messen unterwegs. In diesen ersten Monaten nahm ich die ShaktiMat zu großen Gesundheitsmessen in Schweden, Norwegen und Finnland mit. Es war wirklich eine echte Familienleistung.

Am Ende dieses ersten Sommers hatten wir unsere gesamte erste Lieferung verkauft und mussten bereits weitere Matten herstellen. Es kann eine echte Herausforderung sein, in Indien zu produzieren und alles von dort zu transportieren. Es war sehr harte Arbeit und ging sehr schnell, aber alles lief reibungslos. Wir waren in einem Flow! 

Nach dem Liegen auf der Matte ist Dennys Rücken stark durchblutet und sieht deswegen rot aus. I Foto: Denny Kircheis

Bereits mit 21 Jahren ging Om nach seiner Ausbildung zum Massagetherapeut ins Himalaya, um als Mönch zu leben.

Die Entstehung der Gratitude Factory in Varanasi

Könnt ihr uns erzählen, wie die Gratitude Factory in Indien entstanden ist?

Om: Nach diesem ersten Jahr haben wir beschlossen, dass wir unsere eigene Produktion eröffnen müssen. Also kam mein Bruder Petter zu mir nach Indien. Unser Ziel war es, einen Ort zu finden, um eine Fabrik in Varanasi zu bauen. Warum Varanasi? Nun, Varanasi ist die heiligste Stadt Indiens und die Geschichte dieses Ortes reicht Tausende und Abertausende von Jahren zurück.

Anmerkung der Redaktion: Jedes Jahr pilgern Tausende von gläubigen Hindus in die heilige Stadt, um rituelle Waschungen und andere religiöse Rituale durchzuführen. Für viele Hindus ist es das höchste Ziel im Leben, in Varanasi zu sterben und im heiligen Ganges begraben zu werden. Die Asche wird dann in den heiligen Fluss gestreut,  

Wir kamen mit dem Zug aus Delhi und trafen uns bald mit einem Schneider namens Ram, bei dem wir zuvor Kleidung gekauft hatten. Ram erzählte uns, dass er gerade ein großes Stück Land mit einer Ruine außerhalb von Varanasi gekauft hatte. Nachdem wir alles inspiziert hatten, kamen wir überein, dass wir hier die Shakti-Fabrik bauen würden. 

Nach dem Liegen auf der Matte ist Dennys Rücken stark durchblutet und sieht deswegen rot aus. I Foto: Denny Kircheis

Von der alten Ruine von damals ist nicht mehr zu sehen. Die Gratitude Factory ist nun ein Ort voller Leben. 

Nadine: Om hatte sich schon immer für Architektur interessiert und vor dem Bau der Gratitude Factory studierte er die traditionellen Prinzipien von "Vastu Shastra", dem Ursprung des Feng Shui. Er nutzte diese Konzepte, um die Fabrik zu entwerfen.

Anm. d. Red.: Hierbei wird die Architektur in die Natur und in alte Glaubensvorstellungen integriert, indem geometrische Muster (Yantra), Symmetrien und bestimmte Ausrichtungen angewandt werden. 

Oms Bruder Petter organisierte den Bau, um innerhalb eines Jahres die Fabrik zu errichten. Sobald diese fertig war, kauften sie Nähmaschinen und andere Ausrüstungen. Zudem begannen sie Personal zu beschäftigen, das ausschließlich aus Frauen bestand, die alle aus der Nachbarschaft kamen. Ram leitet die Fabrik noch heute für uns. Er ist wirklich eine indische Perle, immer vertrauensvoll und teilt seine Freundlichkeit mit jedem Menschen, der die Gratitude-Fabrik besucht. 

Zwei unserer Kolleginnen verlassen die Gratitude Factory in ihren wohlverdienten Feierabend.

Zwei unserer Kolleginnen verlassen die Gratitude Factory in ihren wohlverdienten Feierabend. Wir sind jeden Tag dankbar für ihre Arbeit. 

Warum habt ihr euch entschieden, die Gratitude Factory als einen Ort nur für Frauen zu erschaffen?

Om: Das ganze Unternehmen wurde durch meine Vision von Shakti erschaffen. Diese Entität repräsentiert die göttliche Weiblichkeit und die nährende Liebe, die wir alle brauchen. So geschah es ganz natürlich, dass wir die Fabrik nur für Frauen machten und dass wir die Göttin dort in ihren vielen Formen verehren. Wir wollten, dass alles im Dienst der göttlich-weiblichen Energie steht, die sich auf natürliche Weise in der Welt ausbreitet.

Sowohl beim Bau der Fabrik als auch bei der Gründung des Unternehmens arbeiteten wir immer mit der vedischen Astrologie, um den richtigen Zeitpunkt - genannt Muhurta - zu bestimmen. Wir fanden die besten Zeitpunkt im Jahr, zu dem die Energie der Planeten richtig steht und führten eine Zeremonie durch. Wir zündeten Weihrauch an, sangen Mantras und luden den Geist von Shakti ein. Wir luden Shakti ein, in die in die Fabrik, in die Produkte und in das Unternehmen zu kommen. 

Wenn du mehr über die Gratitude Factory und unsere Kolleginnen erfahren möchtest, lies hier weiter.

Mehr über unsere weiteren sozialen und gemeinnützigen Projekte erfährst du hier.

Unsere Kolleg:innen in Varanasi fertigen jede Matte mit ihren Händen und haben jede Menge Spaß dabei

Drei unserer Kolleg:innen in Varanasi haben sichtlich Spaß in der Pause und zeigen deutlich, wieviel Women Power in jeder ShaktiMat steckt. 

Was habt ihr auf eurer Reise alles gelernt?

Nadine: Als wir mit ShaktiMat angefangen haben, merkten wir auch, dass es ein unglaublich gutes Gefühl ist, auf den Spikes zu liegen, ruhig zu werden und dass es sehr gut gegen Stress wirkt. Wir dachten, wenn wir das auf der ganzen Welt verbreiten könnten, könnte das auch eine entspanntere Menschheit insgesamt bedeuten. Menschen treffen immer viel bessere Entscheidungen in ihrem Leben, wenn sie ohne Stress und Angst sind. Wir wollen nicht nur verkaufen, sondern in erster Linie das Wissen über die positive Wirkung der Akupressurmatten verbreiten.

Im Jahr 2009 hatten wir in ganz Schweden einen großen Erfolg zu verzeichnen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir auf dem besten Weg, über 1 Million Matten zu verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt bemerkten wir, dass überall Kopien unseres Produkts auftauchten.

Aber wir haben uns für eine andere Perspektive entschieden. Wir vertraten die Ansicht, dass es umso besser wird, je mehr Akupressur in der Welt ist. Solange also die vielen Kopien da draußen gut gemacht sind, könnten sie uns helfen, dieses uralte Wissen zu verbreiten und uns so bei unserer Mission unterstützen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, uns nicht gegen das zu wehren, was unserer Idee hilft. Aber natürlich ist es schade, wenn Menschen aufgrund schlecht produzierter Produkte unangenehme Erfahrungen machen.  

Akupressur-Weltrekord mit 3000 Menschen

Könnt ihr euch erinnern, wie es zu der Idee kam, einen Rekord im Guiness Buch der Rekorde zu platzieren?

Nadine: Natürlich. Ich traf eine Frau aus Polen, sie war Yoga-Lehrerin und wir hatten gemeinsam diese Idee. Es war im August 2009 und wir hatten großes Glück mit dem Wetter. Das war ein Risiko, aber letzten Endes kamen 3000 Menschen in den Park in Stockholm, wir gaben jedem eine kostenfreie Matte und es war ein großer Spaß. Es gab indische Tänzerinnen und wir sangen gemeinsam Mantras. Das Mantra war wie folgt:

“Om Shanti Om,
Om Shanti Om,
Om Shanti Om Shanti Om Shanti Om.“

Das bedeutet, Frieden und Harmonie zu allen Lebewesen zu bringen und sie miteinander auf eine neue, friedvolle und harmonische Art zu verbinden.

Über 3000 Menschen liegen auf Akupressurmatten in einem Park in Stockholm und singen Mantras

Über 3000 Menschen liegen auf Akupressurmatten in einem Park in Stockholm, singen Mantras und vollbringen ganz entspannt einen Weltrekord.

Etwa 500 Menschen sind derweil eingeschlafen und somit liegt der Eintrag im Rekordbuch von ”Menschen auf Nagelmatten beim Mantrasingen” nur bei 2.500, aber das ist doch nur ein Beweis für die beruhigende Wirkung der Matten.

Wo steht ShaktiMat eurer Meinung nach jetzt, mit 14 Jahren?

Om: Für mich ist Shakti ihr eigenes Wesen. Wir haben sie vor 14 Jahren erschaffen und jetzt hat sie ihr eigenes Leben und ihren eigenen Weg. Sie ist jetzt wie ein blühendes Mädchen, das ins Frausein schreitet, aufgeregt, die Welt mehr und mehr zu erkunden. Sie befindet sich in einem Zustand der Ausdehnung, tritt in ihre Kraft ein und ist auf ihrer Mission, Heilung und Liebe in die Welt zu bringen.

Om gab zum Geburtstag von ShaktiMat ein Gemälde von Shakti in Auftrag

Nach Om befindet sich Shakti momentan mitten in ihrer Jugend und ist bereit die Welt zu erkunden. Die Künstlerin XXX beendete das Gemälde genau am Tag des Geburtstags. 

Shakti - die weibliche Urkraft

Das Wort ‘Shakti’ kommt aus dem Sanskrit und steht für die weibliche Urkraft, die von Mitgefühl, Kreativität und einer nährenden Qualität geprägt ist. Unsere Hoffnung ist es, dass sich jede:r, der:die mit einer ShaktiMat in Kontakt kommt, mit dieser Energie verbunden fühlt. Denn diese Energie wird nicht nur durch unsere Gründerin repräsentiert, sondern auch von unseren Kolleginnen mit liebevoller Handarbeit in jede einzelne Akupressurmatte eingearbeitet.

Wie so ein Tag im Leben einer unserer Kolleginnen aussieht und wie es um die Frauenrechte in Indien steht, kannst du hier nachlesen. 

Um euch eine bessere Übersicht zu der Reise von ShaktiMat zu geben, haben wir euch auf der folgenden Grafik noch einmal ein paar Meilensteine zusammengestellt. Wir sind jetzt schon gespannt, welche Stationen in der Zukunft noch hinzukommen werden.

Meilensteine von 2007 bis heute von ShaktiMat